Presseberichte ( Auswahl ) Hanno Edelmann 1950 - 1959
Ein kraftvoller Expressionist
Hanno Edelmann in der „Griffelkunst"
Die Griffelkunst-Vereinigung zeigt vom 23. Oktober bis 6. November in Langenhorn die 119. Bilderwahl für seine Mitglieder, die auch diesmal wieder aus einer qualitativ bestechenden Fülle ihre graphische Sammelmappe bereichern, dürfen. :
Die Sonderschau präsentiert Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen von Hanno Edelmann, dessen schöpferische Kraft in den letzten Jahren bemerkenswert wuchs. Edelmann ist ein Maler von der Vitalität der Expressionisten, er will die in Farben lebende Welt festhalten, darum distanziert er sich vom flüchti-gen Eindruck, indem er in einem geistigen Akt das Erschaute durch ein feinmaschiges Sieb abstrakter Überlegungen treibt. Kompositorisch schafft er scharf umrissene Bildarchitekturen wie etwa in dem Bildnis „Frau mit rosa Schieile". Nicht ganz so dicht vom Formalen her erscheinen manche seiner Aquarelle, während der feinnervige Strich seiner Zeichnungen überzeugt.
In den Wahlreihen sind die skurrilen, „klee-durchwachsenen" Träumereien Horst Skodlerraks, die männlich-kraft-vollen Holzschnitte Harald Duves und Dieter Kresseis zu nennen, die beide zusammen mit Hanno Edelmann Begabungen von respektablem Format sind. Sehr reizvoll sind auch Magmas Zellers romantisch-zarte Radieningen und Otto Rodewalds Blätter, die, den Künstler (ob er es vorher selbst ahnte?) das Feld der Graphik erschlossen zu haben scheinen.
Anne-Marie Voglers Plastik der Maria Wimmer ist eine runde Leistung. Ihre eigentliche Kraft und Empfindsamkeit verströmt die Künstlerin jedoch in den Reliefs, die teilweise eine nachhaltige Wirkung ausstrahlen.
Dr. H. L.
1955
Ein junger, moderner Spätgotiker
Hanno Edelmann stellt in der Griffelkunst aus
Vom 23. Oktober bis 6. November wird in der Fritz-Schumacher-Schule in Langenhorn die Bilderwahl Nr. 119 bis 120 der Griffelkunst-Vereinigung gezeigt Diese Schau ist Ölbildern und Aquarellen von Hanno Edelmann gewidmet. Man sieht das Mädchenbild-nis, das schon in Uetersen gefiel, und neue Arbeiten. Eine von ihnen ist noch naß; der Transport muß ein Problem gewesen sein. Die überzeugende Einfachheit des Mädchenbildnisses wird nicht erreicht. Edelmann ist ein junger, moderner Spätgotiker; er findet Ungewöhnliches, in einigen der Zeichnungen aus Barcelona. Die expressionistisch gesetzte Farbe geht nicht immer eine innige Bindung mit dem Formgerüst ein. Dann aber auch in der kleinen Landschaft spricht das Resultat an.
Weitere Graphik von ihm ist im Rahmen der Bilderwahl der Griffelkunst zu sehen, ferner die freundlichen Traumspiele von Magnus Zeller, die gewollten Naivitäten von Horst Skodlerak, die nach Picassos Vorbild sich interessanten Experimenten .hingebende Arbeit von Otto Rodewald, die zu klarer Form wachsenden Holzschnitte von Harald Duwe (mag dabei das Differenzierte der Motive auch untergehen), die mit lichten Flächen erfüllten Arbeiten von Diether Kres-sel. Die ausgestellte Plastik stammt von Anne-Marie Vogler; ihr Bildnis von . Maria Wimmer ist eine respektable Leistung, vielleicht nicht rund-herum geglückt. Die Ausstellung der Graphik muß noch wegen des hervorragenden, künstlerisch einwandfreien Standes der Druckleistung gerühmt werden.
Hellmut Geiss
1955
Tradition - aber eigene Wege
Stadthallen-Studio zeigt Werke von Hanno Edelmann, Hamburg
Es geschieht heute selten, daß ein Künstler es als seine Aufgabe ansieht, aus der Begegnung mit der gegenständlichen Welt mit der Landschaft, mit den Dingen des täglichen Umganges, mit den Menschen unmittelbare Anregungen für das eigene Schaffen anzunehmen. Noch seltener geschieht es, daß daraus eine verwandelte, verdichtete .künstlerische Form erwächst.
Hanno Edelmann, geboren 1923 in Hamburg, ein Schüler von Prof. Willem Grimm, zeigt gegenwärtig im Stadthallen-Studio neuere Arbeiten Gemälde, Aquarelle, Handzeichnun-geri und Druckgraphik , die ihn als echten Verdichter und Verwandler der dinglichen Wirklichkeit zu künstlerischen Gebilden legitimieren. Das zunächst Imponierende sind nicht sosehr die großen Formate seiner Leinwände, als vielmehr die Selbstverständlichkeit und Ungequältheit, mit der sie von Form gefüllt sind bis zum Rande. Das Motiv sei es Landschaft, Stilleben, Figurenbild oder Bildnis erhält seine Konsistenz weniger aus dem Formal-Konstruktiven als aus einer innerlich-geistigen Konzeption.
Zu den besonders eindrucksvollen Bildern, die dies bestätigen, gehören das große Bild der „Spanierin", „Kirchgang", „Nach der Vorstellung" u. a. In dem „Knabenbildnis Frank E." zeigt sich, wie der Künstler den Darzustellenden in seinem Milieu erfaßt. In der Figurenkomposition „Begegnung" ist nicht nur eine äußerliche Szene gestaltet, es vibriert darin das mit Worten Unaussprechbare.
Bisher war noch nicht von der Farbe die Rede, auf der doch die innere Konzeption der Bilder beruht. Eine dunkel gestimmte Palette von sonorem Klang bewirkt den seelischen Grundcharakter der Bilder. Wenn farbig auch gewisse Anklänge an den Lehrer Willem Grimm vorhanden sind, so scheint doch die wesentliche Substanz des Ausdrucks aus Eigenem zu fließen.
In den Aquarellen tritt eine unvermutete Leichtigkeit und Brillanz hinzu. Und in den farbigen Radierungen überrascht ein edler Schmelz handwerklicher Reize, während doch in den großen Ölgemälden ein zu den großen Themen passender pastoser Farbauftrag mehr eine pathetische Sprache führt. -
Es ließe sich noch manches Gute über den jungen Künstler sagen, der in den Bahnen der Tradition eigene Wege zu gehen bemüht ist, wie man sieht, mit Erfolg.
A. B. E n n s
Lübecker Nachrichten vom 14.5.1959
