Presseberichte Hanno Edelmann 1970 - 1979
International anerkannt
Wenn Hanno Edelmann von seinem künstlerischem Schaffen spricht, scheint es das Wort „ich" für ihn nicht zu geben. „Als wir damals in Griechenland malten ...", pflegt er zu sagen und bezieht mit diesem Plural seine Frau Erika ein. Er hat sie auf der Kunsthochschule kennengelernt und in ihr nicht nur die ideale Gefährtin gefunden, sondern auch eine Kritikerin, deren Wirken im Hintergrund er einen Teil seines Erfolges zuspricht.
Sein Lebenslauf liest sich so: „In Hamburg 1923 geboren, malt seitdem." Der Mann mit den klaren Augen und dem forschenden Blick liebt bei allem Ernst, mit dem er an die Arbeit geht, den Humor. Seine Bilder sind mit einem kleinen Reiter versehen, der oft ein Narrengewand und immer einen Heiligenschein trägt. Edelmanns internationale Anhängerschaft fand dafür Ausdrücke wie „Edel-männlein" und „St. Hopperus". Bis 1952 Schüler von Prof. Willem Grimm, gelang dem Künstler schon bald der Durchbruch. Studienreisen in den sonnigen Süden weiteten seinen Blick. Aber auch seine Erlebnisse als Kriegsgefangener in Sibirien haben ihn gelehrt, nach den Wurzeln aller Dinge zu forschen, das Tiefgründige zu deuten und in die Sprache seiner Kunst zu übersetzen.
In seinem Haus Wolliner Straße Nr. 34 läßt sich der Hausherr, der selbst Flöte und Geige spielt, von seinem 17jährigen Sohn Frank oft auf dem Klavier begleiten. Michael (14) hat das gestalterische Geschick seines Vaters geerbt. „Er ist sehr begabt", freut sich Hanno Edelmann.
hgs
Hamburger Abendblatt 1971
Das Bild des Menschen
Edelmanns Ausstellung in der Galerie Altschwager
Die Hamburger Kunstszene hat ihn wieder: Hanno Edelmann der nicht Unbekannte! ist nach mehr als fünf Jahren in die hiesige Öffentlichkeit zurückgekehrt. Die wortwörtlich reizvolle Ausstellung „November-blätter" im Gemeindehaus St. Petri, die Beteiligung an der Sammelausstellung im Kunsthaus und an der erfolgreichen Auktion zugunsten von Amnesty International vor Jahresschluß 1971 kann man als eine Art Einstimmung werten für die jetzt von der Galerie Altschwager veranstaltete Edelmann-Ausstellung. Sie ist in der Tat das, was man gemeinhin leichtzüngig „ein Ereignis" zu nennen pflegt.
Hanno Edelmann, Jahrgang 1923, während der langen Pausen zwischen den hamburgischen Präsentationen mit Aufträgen für die Kunst am Bau beschäftigt und von Initiatoren außerhalb der Hansestadt gefordert, hielt sich vom hektischen Kunstbetrieb spartanisch zurück skeptisch und doch hellwach. Diese seine spröde Abstinenz bedeutet eine angespannte Konzentration auf sein Werk, seine eigensinnige Position als Maler und Grafiker in der Aktualität. Sie war eine permanent gesteigerte Forderung an sich selbst.
Was Hanno Edelmann jetzt als Resultat seiner Zürückgezogenheit vorweist, ist eines der seltenen Beispiele intensiver Anstrengungen aus lang angelegtem Fundus: eine Profilierung des Talents die schlicht das Prädikat „Meisterschaft" verdient.
Edelmanns neue Arbeiten Aquarelle, Zeichnungen und Bilder lenken das Augenmerk des Betrachters auf den Menschen in seinen Verstrickungen Drama und Komödie, ohne Zynismus ineinander verwoben. Der die Vordergründigkeiten durchbrechende Blick und, ganz wesentlich, das Vermögen, herausfordernde Thematik in eine treffende künstlerische Form ohne Schablone zu übersetzen: dies macht Edelmanns Bilder so aufregend wie nachdenklich.
Hier muß man genau hinsehen. Dann erschließt sich die Hintergründigkeit. Dabei bleibt die Augenweide nicht aus: das Vergnügen an faszinierenden griechischen Landschaften nicht minder als an den virtuosen Erfindungen und Pointen, an den brillanten „technischen Zutaten" zu den malerischen Motiven und Szenerien.
Auf die Ausstellung „2mal Hanno Edelmann" kommen wir nach dem Bilderwechsel am 3. Februar noch zurück. (Cäcilienstraße 1; geöffnet montags bis freitags 1519 Uhr, sonnabends 1013 Uhr, mittwochs geschlossen.)
pth
Hamburger Abendblatt vom 22.1.1972 zurück
Wirklichkeit und Spiel
Neues aus Hamburger Galerien
GALERIE ALTSCHWAGER: Hanno Edelmann. Präsentiert wird der zweite Teil der wegen der räumlichen Situation bewußt geteilten Ausstellung, die Anfang Januar begann. (Das Hamburger Abendblatt berichtete darüber.) Es findet keine Wiederholung mit einigen Variationen statt, der Wechsel der Arbeiten ist total. Auch dies ist bezeichnend für diesen Künstler: Sein Oeuvre braucht auf Effekte hin nicht gestreckt zu werden; es steht aber nach Jahren strikter Zurückgezogenheit von der Tagesszene aktueller Kunst jetzt so prall und so interessant vor Augen, daß eine Fortsetzung in weiteren Folgen öffentlicher Präsenz durchaus wünschenswert wäre.
Der erfreuliche Januar-Erfolg spricht, voll für Edelmann aber auch für das intensive Bemühen der noch jungen Galerie Altschwager. Wer vordem, vielleicht noch im Januar, als alter Kenner oder frischer Neugieriger den Februar abgewartet haben sollte, den muß diese Edelmann-Ausstellung faszinieren. Das zeitkritische Engagement im hintergründigen Sinne kompromißlos humaner Haltung ist aufregend.
Die mittelmeerische Welt, charakteristisch in den Aquarellen und den Bildern von Landschaften fixiert (Kreta), reizt den Betrachter. Ein lebensfreudiger Gegenpol zu den tiefen Existenznöten des Menschen. Für beides hat Hanno Edelmann als Maler und Grafiker seinen Stil immens gesteigert. (Cäcilienstraße l, bis 29. 2. Geöffnet montags bis freitags 1519, sonnabends 1013 Uhr; mittwochs geschlossen.)
pth
Hamburger Abendblatt, Februar 1973
Traumland der Realität
Hanno-Edelmann-Ausstellung bei Garuda eröffnet
Ein kleiner Reiter steht für die Signatur der Künstler Hanno Edelmann, der mit seinen Holzschnitten und Radierungen die neueste Ausstellung in der Galerie Garuda bestreitet, nennt ihn „St. Hopperus". Diese kleine Reiterfigur an den unteren Bildrändern der Werke Edelmanns ist dann auch der rote Faden, der sich durch die bei Garuda ausgestellten Werke des Hamburgers zieht. Am Freitagabend wurden diese von Dr. Detlef Hoffmann (Frankfurt) dem Publikum vorgestellt. Hanno Edelmann konnte selbst nicht bei der Vernissage dabeisein blieb den Besuchern also nur das Rätselraten um die tiefere Bedeutung des kleinen Berittenen.
Über die Einordnung des Künstlers in ine Zeit gab Dr. Hoffmann Auskunft, der sich bescheinigte, Hanno Edelmann sehr gut zu kennen. Über den Gegenstand Versuche Edelmann Beziehungen zum Betrachter herzustellen. Gegenstand seiner Bilder aber ist der Mensch in Gruppen. Dieses „humanistische Engagement" so der Eröffnungsredner verbinde sich außerdem mit viel Poesie; lobenswert, denn meistens finde man heute jeweils nur eines von beiden in den Bildern zeit genössischer Künstler.
Die Bilder Hanno Edelmanns, nach Dr. Hoffmann also angesiedelt zwischen Traumland und Realität, scheinen auf den ersten Blick des öfteren eine noble Gesellschaft bei Tische darzustellen: Die Damen wedeln gelassen mit Fächern. Doch dann stellt der Betrachter fest, daß er durch diese Äußerlichkeit genasführt •wurde und die Szene sich gleichwohl in einer Spelunke abspielen könnte: barfuß die Gestalten, die Männer die Hände in den Taschen vergraben, auf dem Tisch leere, umgeworfene Gläser und volle Flaschen.
Interessant auch die Figuren Edelmanns, realistisch zwar, doch amorph die Gesichtszüge und Körperlinien. Man will sich ein Profil vorstellen, endet jedoch in tausend einzelnen, verschlängelten Linien. Es sind gleich mehrere Menschen auf Edelmanns Bildern, deren Beziehungen dem Bild Dynamik vermitteln, die sich für etwas in ihrer Mitte Befindliches interressieren, das eine Person sein kann, ein Schachbrett oder etwas „Unsichtbares". Und es scheint, als ob der kleine St. Hopperus dagegen abwehrend vom unteren Bildrand seine Arme streckt, als könnte er gleich von den über ihm liegenden Massen erdrückt werden. „Epische Graphik" nannte einmal der Kritiker Dr. Richard Hiepe die Edelmannschen Blätter, auf denen erzählt werde „von den sagenhaften Zuständen und Tatsachen dieser Welt."
Dr. Hoffmann nannte keine Daten des Künstlers, „die Bilder sind wichtiger". Nur, daß Edelmann gerade 50 werde, als „Freier" in Hamburg lebe und zumeist auch „Kunst am Bau", also die Gestaltung von Kirchen und Rathäusern, sein Geld verdiene. Die Ausstellung ist bis zum 5. Oktober jeweils mittwochs und samstags ab 20.30 Uhr geöffnet. ml
Darmstädter Tageblatt 12.11.1973 zurück
Hanno Edelmann bei Garuda
(wh) Die Galerie Garuda eröffnet am 9. November um 20.30 Uhr eine Ausstellung mit Holzschnitten und Radierungen des Hamburgers Hanno Edelmann. Zur Eröffnung spricht Dr. Detlef Hoffmann (Frankfurt). Die Ausstellung ist bis zum 5. Dezember mittwochs und samstags ab 20.30 Uhr geöffnet.
Auf den neuen grafischen Blättern Hanno Edelmanns erscheint fast immer ein kleiner Reiter, etwas außerhalb der Darstellung, die sich über, hinter oder neben ihm erstreckt. Vom Künstler ironisch „Sankt Hopperus" genannt, steht dieser Reiter für die Signatur und den Künstler selbst. Er legt eine Distanz zwischen Bild und Betrachter, erlaubt diesem, die Darstellungen als Schauspiel, als kunstvolle Demonstration oder Versuch über ein Thema, als Vorschlag und überlegenswerter Entwurf des Künstlers zu diesem oder jenem Inhalt laufzunehmen. Es handelt sich um Verfremdung in dem von Brecht geforderten Sinn. Damit erreicht Edelmann eine neue Freiheit für seinen streng stilisierten Realismus die sich in einer außerordentlichen, fast spielerischen Leichtigkeit und Lässigkeit der Formen und Ideen auszahlt.
Über die gezeigte Holzschnittfolge „Ein Reiterspiel über den König" schrieb bei einer Ausstellung in Hamburg das dortige „Abendblatt"
„Das hintergründige Spiel konfrontiert Tradition und Aktualität. Der thematische Bogen ist weit gespannt von der Antike und vom biblischen Motiv bis zu den Zeichen der Gegenwart. Die Wahl der Spielkartenform, kompositorisch reizvoll, ermöglicht Gegensatz oder Umkehrung und schafft Spannung. Der Zyklus beweist zudem neuerlich Edelmanns Meisterschaft auch als Graphiker. Eigenwillig ausgeprägt ist der Stil, der der Technik des Holzschnitts moderne Möglichkeiten hinzugewinnt. Das Reiterspiel ist ein faszinierendes Werk."
Hessenspiegel vom 8.11.1973
Museum
Malerei aus 20 Jahren
Ausstellung Hanno Edelmann
Ein auf seinem Pferdchen meist lustig gestikulierender kleiner Ritter, der irgendwo im Bild herumspringt und sich mit der jeweiligen Pose zum Bild selbst zu äußern scheint, ist als skurriles Namenssymbol des Malers Edelmann, als Firmenstempel gewissermaßen und Signaturersatz zugleich auch ein erster Hinweis auf das Wesen der Malerei und Grafik Hanno Edelmanns, dessen Werk der Nassauische Kunstverein in seinen Räumen im Museum jetzt retrospektiv vorstellt.
Das Ritterlein verkörpert nämlich schon etwas den satirischen Humor, den Hang zum Spielerischen, zur Groteske, der mindestens eine Seite Edelmanns darstellt, die, ohne deren beißende Schärfe je zu erreichen, doch ganz in der Nähe der Kunst Gertrude Degenhardts siedelt und ihr wesensverwandt ist. An die große Degenhardt-Ausstellung wird sich der Besucher hier sicher gelegentlich erinnert fühlen. Die Fähigkeit, alltägliche Szenen oft banalen Inhalts, feiernde Menschengruppen, absonderliche Paare und Menschentypen, in ihrer Situationskomik oder Verschrobenheit auszuloten, und die Fähigkeit, über eine in ihrer Verzerrung und Übertreibung oft erschreckend enthüllende Darstellung des Menschen wie sie etwa in den verwegenen oder verschlagen-hinterhältigen Physiognomien der „Bettlerhochzeit" zum Ausdruck kommt von Ablehnung zu Mitgefühl, ja Mitleid zu gelangen, bezeichnet die geistige Breite und das Wesen der Darstellung und Aussage Edelmanns.
Er hat die stilistischen und technischen Mittel hierfür erst seit den 60er Jahren entwickelt, die vorwiegend in den vorderen Räumen der Ausstellung repräsentiert sind. Die Mühelosigkeit formal sinnvoller Kombinationen verschiedener Techniken hat hier etwas Bestechendes. Ob Edelmann Spitzenstoff, Haar, Originalkleidung in seinen Bildern verwertet, Orden oder Photographien einbezieht, ob er was überwiegend der Fall ist Öl-und Tempera-Malerei durch Bleistiftzeichnung ergänzt, es geschieht unaufdringlich, wirkt nicht aufgesetzt und gewollt modisch. Die Reliefstrukturen aufgeklebter Textilien erzeugen ganz unmittelbar den knittrigen Faltenwurf der Gewänder, zum Beispiel der Priesterfiguren des „Kleinen Konzils". Eine ebenso realistisch sinnvolle Modellierung ergibt hier das aufgeklebte Barthaar. Alles mit Farbe übermalt bleibt kein Widerspruch der Materialien mehr bestehen. Das weißliche Spitzenstoffrelief, das Barthaar ist in die Farbharmonie der Grau-Weiß-Ocker-Töne dieses Bildes unauffällig einbezogen, schafft nur eine gewisse Plastizität der Figuren. Gesichter und Hände der Geistlichen sind fein mit Bleistift gezeichnet. Ihre Konturen ergeben sich durch die Dichte der Schraffur.
Durchweg nimmt die Darstellung von Händen und Physiognomie als Bleistiftzeichnung bei Edelmann eine Sonderstellung ein. Mimik und Gestik grenzen oft ans Skurrile in ihrer Verzerrtheit, besitzen aber, dank der Zeichnung, ganz feine charakterologische Ausdrucksmöglichkeiten. In den kleinen bösen Spinnengesichtern der Kardinale, den töricht-ergeben starrenden der Dorfweiber, den resignierten Zügen des einsamen Alten, oder den arroganten des aufgeputzten Feldmarschalls liegt zugleich viel Menschenkenntnis.
Mit dem Thema des „Kleinen Konzils" ist ein Spezialthema Edelmanns angeschnitten. Religiöse, oder besser klerikale Darstellungen nehmen in seiner Malerei einen breiten Raum ein. Eine Reihe großer Trypticha zeigen statt der gewohnten mittelalterlichen Ikonographie, der HI. Familie und testamentarischer Szenen die Darstellung von Kardinalsfiguren. Der Stellvertreter, der kirchliche Würdenträger ersetzt die biblische Darstellung. Der Platzwechsel sagt genug, auch wenn die Physiognomien nicht überall mit Ablehnung gezeichnet sind. Der Rückgriff auf byzantinische Muster, etwa bei dem schräg von oben wie eine Mumie ins Bild gelegton „Schlafenden Heiligen", durch dessen Gewandschlitze man die Züchtigungsszenen erblickt, die seine Seele quälen, hat auch etwas Heiter-Komisches, wie es Edelmanns Bildern eigentlich auch bei diesen Themen nie ganz abgeht, wo man gelegentlich Zitate alter Meister und eine thematische und stilistische Nähe zu El Greco zu fühlen glaubt. Heiterkeit und Spott, Komik und Trauer mischen sich eigentümlich, sind als komplizierte, nicht sogleich sich erschließende Vielschichtigkeit in der Malerei Edelmanns nach und nach an die Stelle direkterer Aussagen getreten, wie sie der Realismus der düsteren Großformate („Leichenschmaus", „Krieg") im hinteren großen Ausstellungsraum noch bezeugt.
Man könnte diesen Rückblick auf das Nachkriegsschaffen für entbehrlich halten. Die starkfarbigen tachistischen Bilder, die sich gegenseitig zu erschlagen drohen, die düster-realistischen Szenen, die gemessen am Schaffensstadium des letzten Jahrzehnts nur Marksteine der Reifeentwicklung Edelmanns sind, deren Fortschreiten im Finden eines eigenen Stils auch an der Wahl der Farbe gemessen werden kann. Zunehmend treten an die Stelle reiner Farben Mischfarben wie Lila, Violett, Türkis und feine farbliche Zwischentöne, decken sich als reichhaltigere Palette mit dem Nuancenreichtum von Darstellung und Aussage.
In den kleinen Nebenräumen der Ausstellung finden sich Aquarelle und Grafik. Die Aquarelle, erzählende Darstellungen, Reiseeindrücke oder Landschaften, besitzen wenig von der Schärfe und dem Gewicht der großformatigen Darstellungen. Stilistisch und inhaltlich bedeutender erscheinen die Holzschnitte, die von schraffierten Flächen aus einer Vielzahl paralleler Stege geprägt sind („Kleines Spiel bei Onkelchen"), die oft mit großen schwarzen Holzstrukturflächen kontrastieren. Unter den Radierungen der letzten Jahre, in deren skurrilen Typen und Szenen wieder stärker Edelmanns satirisches Talent hervortritt, findet sich ein von Melancholie geprägtes Selbstporträt.
ANNE STEPHAN zurück
1973
Ausstellung in Texas
Gerade hat Hanno Edelmann eine umfangreiche Ausstellung für die Galerie Altschwager in Winterhude beschickt, da stehen schon die nächsten bevor. Die Phyllis Lucas Gallery in New York und die Henkle Galleries im texanischen Houston warten schon auf die Bilder-Sendungen aus Hamburg. Und so ist er in diesen Tagen mehr „Verpackungs-Künstler" als Maler.
Außerdem bedient er noch eifrig die alte Krause-Presse im Keller seines Jugendstil-Hauses in Rahlstedt. In letzter Minute sollen ein paar Graphiken schnell fertig werden. Frau Erika hilft mit, anders wäre das Stoßgeschäft nicht zu verkraften.
Er sagt von sich, daß er von morgens bis abends arbeitet. Schöpferische Pausen sind ihm fremd. „Wenn ich beim Malen nicht weiterkomme, greife ich zur Graphik und umgekehrt", gesteht er. Der 51jährige, der als erstes Kind seiner uralten bayerischen Familie in Hamburg geboren wurde, ist besessen von der Malerei. Schon bevor er zur Schule ging, wollte er Maler oder Musiker werden. Sohn Michael, der in der zehnten Klasse des Johan-neums die Schulbank drückt, will in Vaters Fußstapfen treten. Der ältere Bruder Frank dagegen hat sich für das Chemie-Studium entschieden.
In den Sommerferien ist die Familie regelmäßig in Griechenland unterwegs. Die Begeisterung für ihr Traumland geht so weit, daß sie sogar die schwierige Sprache lernte. Überdies wird die endgültige Übersiedlung in den sonnigen Süden erwogen.
EP
Hamburger Abendblatt 1973
Bilder von der Armut und dem Kampf gegen Meer und Fels
H. Edelmann in der Galerie Altschwager
Das Land der Griechen, das Hanno Edelmann mit der Seele sucht und regelmäßig In den Sommermonaten besucht, ist ein anderes als das der klassischen Schönheit, der dämonisch-bukolischen Lustbarkeiten, An seinen Bildern, auch den neuesten wieder, die jetzt in der Galerie Altschwager gezeigt werden, ist deutlich abzulesen, wie wenig sein Blick sich von gefälliger Ausgewogenheit der Farben beeinflussen läßt.
Wenn er eine Landschaft malt, dringt er forschend durch die materielle Oberfläche auf den verinnerlichten Gefühlswert, den sie für einen sensiblen Betrachter so bedeutsam werden läßt. Das unsägliche Gewirr der kleinen Hauser, die sich auf Inseln und an Buchten zusammenkauern, erzählt von der Armut, von dem Sichbehaupten gegen ,'Meer und Fels, Und die Menschen mit den langen, schmalen Gesichtern und Händen, sie sind nur Wanderer' auf dieser Erde, strahlen eine heitere Geistigkeit aus.
Edelmanns Malerei besitzt eine schwelgerische Kostbarkeit der Farben und Techniken.
Hervorstechend und typisch für ihn ist ein helles, aggressives Rot, das seinen nervösen Strich auf die Spitze treibt. Sein Blau und sein Grün leuchten aus der Tiefe; liegen sie doch in mehreren lasierten Schichten kunstvoll übereinander. Einen Gag erlaubt der Rahlstedter Maler sich, indem er reale Lochstickerei-Stoffe für die Kleider altertümlicher Figuren benutzt.
Was wäre ein Bild von Edelmann ohne das verspielte Signet des edlen Ritters, hoch zu Roß? Irgendwo an unvermuteter Stelle , hat es seinen Platz; man muß es nur zu finden wissen.
Evelyn Preuss
Hamburger Abendblatt vom 28.11.1974
Griechenland ohne Götter
Bilder und Graphiken von Hanno Edelmann im Kronberger Hellhof
Sein Markenzeichen ist eine kleine, mit einem Nimbus gekrönte Figur auf einem Pferd, das geradewegs von der Wölbung einer attischen Vase herausgaloppiert zu sein scheint, während die hektischen Bewegungen des Reiterleins, seine mal zappelig in die Höhe geworfenen Arme, dann wieder eine heftige Geste der Enttäuschung recht unklassische, zuweilen sogar rein expressionistische Attitüden sind. Nicht jedes seiner Bilder, doch eine große Anzahl davon hat der Hamburger Maler und Graphiker Hanno Edelmann so abgezeichnet. Zuweilen auch spielt sein emblematisches Selbstbildnis, das „Edelmännlein", auch eine wichtige kompositorische Rolle; im allgemeinen aber deutet es nur klein und verhalten in einer der Bildecken auf die Autorenschaft des eigenwilligen Hamburgers hin.
Seiner Gegenwart allerdings bedarf es kaum mehr; denn einen „Edelmann" kennt man mittlerweile sehr deutlich an seiner Handschrift aus dem reichhaltigen Angebot heutigen bildnerischen Schaffens heraus. Elemente des norddeutschen Expressionismus und der Malerei seines Lehrers Willem Grimm, Ikonenhaftes und die Liniensprache des Jugendstils wenn auch aufgewühlter , Standardfiguren der europäischen Moderne und symbolistische Bezüge verbindet der jetzt vierundfünfzig Jahre alte Maler zu einem Instrument von seltsamer Einheitlichkeit von Peinture und graphischen Einschüben, von Expressivität und schöner Malerei. Er hat es in ziemlicher Isolierung entwickelt, abseits vom allgemeinen Kunstbetrieb und allein gestellt auf seine eigenen Erfahrungen. Das Kriegserlebnis und die russische Gefangenschaft bis 1952 haben die Sensibilität dieses Malers für die vielschichtige Seelenlandschaft des Menschen noch verfeinert. Und selbst da, wo seine Farbigkeit Freude und Schönheit zu vermitteln sucht, bleibt der bittere Tropfen von Trauer und Einsamkeit der Bildwelt Hanno Edelmanns nicht erspart.
Eine rund einhundertundzwanzig Titel umfassende Ausstellung von Ölbildern, Aquarellen, Holzschnitten, Radierungen und Farblithographien gibt jetzt im Kronberger Hellhof Gelegenheit, Einblick in das Werk des hier weniger als in Norddeutschland und Skandinavien bekannten Künstlers zu gewinnen. Der überwiegende Teil der Arbeiten ist in den letzten fünf Jahren entstanden und ist beherrscht von dem starken Eindruck, den Edelmann in Griechenland nunmehr jährlich empfängt. Dieses Griechenland-Erlebnis hat den Hamburger noch mehr geformt als zuvor der Aufenthalt in Spanien. Aber es ist nicht das klassische Griechenland, das Edelmann aufsucht; Iphigenie und Feuerbach; die Götter Griechenlands und Winckelmanns Ideale haben nicht den geringsten Bezug zu Edelmanns Griechenlandbild. Er lebt in der sonnendurchglühten Landschaft unter den Armen des Landes, deren Sprache er auch spricht; er sieht die Spuren von Byzanz in den abgelegenen Klöstern, und er trifft Menschen, die ihr klassisches Erbe den Touristen überlassen haben, deren Erlebnis nicht die Bildung, sondern die Landschaft ist.
Seine griechischen Motive wie Feste und Hochzeiten, ein Sommerabend mit kargem Mahl, das die niedergehende Sonne prunkvoll vergoldet; Mönche, die ihr dunkles Kleid wie einen schwarzen , Schatten über die lichterfüllte Landschaft werfen; ein Triptychon, auf dem ein Chagallscher Fiedler Madonna und Kind aufspielt und auch der Narr unter dem Kreuz mit den Heiligen seinen Platz findet sie sind Ausprägungen einer Weltsicht von zunehmender Verinnerlichung, die sich im Kontrast von Freude und Trauer in den malerischen Werten darstellt. Und so sehr Hanno Edelmann auch seine landschaftlichen und architektonischen Motive stilisiert, Klöster wie haltlos über die Fläche wehen laßt und Berge auftürmt zu glühenden Massiven, ist doch dem aufmerksamen Griechenland-Touristen das eine und das andere Motiv sofort wohlvertraut; denn auch ohne die Götter zu suchen, hat Hanno Edelmann das Land seiner Sehnsucht gefunden und es getreulich überliefert. (Bis 17. November; geöffnet Mittwoch bis Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag und am 17. November von 11 bis 18 Uhr.)
C. v. H,
1976 zurück
